Counterintelligence

Am 28. März 2025 hatten die US Behörden bekannt gegeben, dass sie Anklage gegen einzelne, bereits verhaftete Personen erheben, die sanktionierte Technologie an Pakistan geliefert hatten. Dieses illegale Netzwerk hat offensichtlich zwischen 2003 und 2019, also über einen sehr langen Zeitraum hinweg, für diverse Institutionen in Pakistan gearbeitet, welche im Nuklear-, Raketen- und Drohnenprogramm des Landes angesiedelt sind.

Wie nicht anders zu erwarten, ist dies in Deutschland nicht weiter beachtet worden. Warum auch? Die EU und speziell Deutschland sind geradezu ein Paradies für Aktivitäten, mit denen alle möglichen Sanktionen unterlaufen werden. Mal abgesehen von beispielsweise chinesischen Frontorganisationen, die sich an deutschen Universitäten tummeln und dort aktuell besonders fleißig rekrutieren, sind es auch iranische oder pakistanische Wissenschaftler und Ingenieure, die sich hierzulande weiter qualifizieren können. Aber leider gehört auch das zu jenen Kanonenschüssen, die ungehört von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft verhallen. 

Natürlich sind nicht alle Personen – auch nicht die in meinem Beitrag gezeigten – aus den genannten Staaten grundsätzlich Spione. Es gilt die Unschuldsvermutung. Selbstverständlich ist der globale Wissensaustausch von großer Bedeutung. Aber es fällt dennoch auf, wie zögerlich oder besser gesagt: ignorant sich die EU und Deutschland gegenüber diesen Risiken verhalten. Wie kann es möglich sein, dass bestimmte Staaten, die ihr militärisches und nukleares Potenzial kontinuierlich ausbauen, ihre Fachleute in die EU schicken, um dort ungehindert die notwendige Expertise zu gewinnen? Als die renommierte Schweizer ETH sich endlich einmal Gedanken dazu machte und eine gründlichere Überprüfung der Studenten und Wissenschaftler aus den genannten Staaten etablierte, gab es auch umgehend Gezeter und Beschwerden. Vermutlich hat man in Deutschland Angst, man könne an einen virtuellen Pranger gestellt werden. So etwas erträgt die wertebasierte Außenpolitik nicht! Sucht man über die EU Sanctions Map, tauchen viele der beispielsweise in den USA oder Japan gelisteten pakistanischen Entitäten nicht auf. Und das, obwohl ausreichend Beweise – und nicht nur Indizien – für die Verletzung von Sanktionen oder der Spionage vorliegen.

So ist es auch mit den im Dezember 2024 von den USA auf die Liste gesetzten, einzelnen Institutionen in Pakistan. Hatte das überhaupt jemand in Deutschland zur Kenntnis genommen? Zu den völlig berechtigt im Visier stehenden Verdächtigen gehört seitdem der National Development Complex (NDC), Unterabteilung der National Engineering and Scientific Commission (NESCOM) und eine der wichtigen Adressen des pakistanischen Militärs. Macht nichts: In Deutschland darf man durchaus einen NDC Hintergrund haben und dennoch eine relevante Position bekleiden. 

Beispielsweise war dieser Mensch beim NDC, danach immer wieder – offenbar bis heute – beim Schweizer CERN und lebt und arbeitet nun in Hessen:

Der nächste war erst beim NDC, dann bei der ebenfalls seit Jahren bekannten Space and Upper Atmosphere Research Commission (SUPARCO) und nun als Professor in einem Nachbarland Deutschlands tätig – wohnhaft im gemütlichen Bayern:

Diese Person, die nun in Baden-Württemberg lebt, hat zuvor über 13 Jahre bei SUPARCO gearbeitet:

Nochmals zur Erinnerung: Als die USA beispielsweise im April 2024 einige chinesische Firmen auf die Sanktionsliste gesetzt hatten, wurde zum wiederholten Male explizit die Bedeutung von SUPARCO hervorgehoben, „which develops and produces Pakistan’s MTCR Category I ballistic missiles.“

Eine weitere interessante Person, die auch mal eine Station bei SUPARCO durchlaufen hatte und  in Deutschland an diversen Forschungseinrichtungen und Firmen tätig war und ist, studierte zuvor an einer bekannten pakistanischen Einrichtung, welche die IT- Infrastruktur für den Emailverkehr eines bestimmten Bereiches der Dr. A.Q. Khan Research Laboratories (AQKRL) zur Verfügung stellt:

Spannend auch die folgende Person, die sich in Deutschland umfassend weiterqualifiziert hat, u.a. an einem bestimmten, für den nuklearmilitärischen Bereich wichtigen Elektronenmikroskop. Sie hat sich hierzulande weiterhin mit den Eigenschaften sogenannter Knetlegierungen der Gruppe AlZnMg (Reihe 7xxx) befasst. Dieses spezielle Aluminium hat aufgrund seiner besonderen Eigenschaften Bedeutung für den militärischen Bereich. Nachdem sich diese Person in einem bayerischen Spezialunternehmen bewährt hatte, ging es zurück nach Pakistan, um genauer zu sein SUPARCO:

Wissenstransfer in die eine oder andere Richtung könnte man auch bei der folgenden Person vermuten, die bei einer deutschen Satellitenfirma angestellt ist. Zuvor war sie nicht nur über zehn Jahre bei SUPARCO, sondern auch bei einem anderen bekannten pakistanischen Institut, welches unter anderem mit der berüchtigten China’s Shanghai University (SJTU) kooperiert. Bei der SJTU sollten eigentlich bei sämtlichen, aufmerksamen Geheimdiensten die Alarmglocken schrillen, denn  diese wird nicht nur mit streng geheimer Militärforschung, sondern auch diversen Cyberangriffen in Verbindung gebracht:

Um nicht immer nur SUPARCO zu nennen: Die folgende Person hat erst in Deutschland studiert und ist dann zur berüchtigten und – nicht in Deutschland – seit Jahren sanktionierten, o.g. NESCOM gegangen. Aktuell forscht sie wieder in Deutschland:

Und ein letzter Fall von vielen ist eine Person, die in Deutschland bei einem deutschen Konzern arbeitet, der weltweit vertreten ist – ja, so etwas existiert trotz Deindustrialisierung immer noch! Aufgabenbereich: Cyber Security. Warum auch nicht? Die vorherigen Stationen waren möglicherweise geradezu ideal dafür: Huawei und zuvor ein Studium an der nicht ganz unbekannten Universität der pakistanischen Luftwaffe:

Diese kleine Auswahl stellt nur die Spitze des Eisberges dar und man ist geneigt, Unkenntnis darüber zu unterstellen. Denn ansonsten dürften diese Umstände nicht so sein, wie sie sind. Man kann natürlich eine Politik völliger Toleranz betreiben. Aber dann sollte man auch im Ernstfall auf die Krokodilstränen verzichten. Wenn es in Taiwan, in Indien, in Südkorea, in der Straße von Hormus oder wieder in Israel krachen sollte, dann wird man eine Menge Wissenschaftler und Ingenieure finden, die in Deutschland ihr Know-How erworben und es zurück in ihre Heimat transferiert haben.